Dieses Gefühl der Unzulänglichkeit angesichts des Eierbechers

Herr K. und Cocolina campen. Zum ersten Mal. Nun ja, nicht ganz, ist Herr K. doch eigentlich ein Camping-Kind der 70er und 80er, und Cocolina segelt seit Jahren. Ist ja auch so was wie Camping auf dem Wasser, nur wackelt’s halt ein bisschen mehr.

Diesmal aber echtes Camping. Mit gemietetem Campingbus und Straßenkarte, und natürlich Campingführer. Da stehen nämlich die Campingplätze drin, und so alles, was man unbedingt wissen muss. Wie weit der Strand entfert ist, oder was ein Hund pro Nacht kostet. Da Herr K. und Cocolina „nur“ durch die Schweiz fahren und kein Haustier mitführen sind das zwar nicht die wichtigsten Informationen, aber es stehen zum Glück auch Telefonnummern, Ortsangaben oder sonstige nützliche Dinge drin.

Was natürlich nicht drinsteht: Essenzielle Dinge für Neo-Camper. Aber deren wird man sich auch so schnell gewahr – es reicht, den allerersten Stellplatz am allerersten Campingplatz der höchstpersönlichen Tour de Suisse zu erobern. Ein Blick genügt – wir sind von Profis umgeben. Vorzelt vor dem Wohnwagen/Wohnmobil/ Zelt (ja, ernsthaft, auch Zelte haben extra Vorzelte), Teppich als Schmutzfang vor dem Vorzelt, Grill, Outdoor-Küche, ganze mannshohe Schränke mit den absolut-nur-allernotwendigsten Campingutensilien, diverseste Vorrichtungen zum Hängen, Trocknen, Verstauen… Es ist klar: damit können Herr K. und Cocolina nicht mithalten, wohl auch nicht in gefühlten Ewigkeiten. Kaum getrauen wir uns, die (gemieteten) Klappstühle und den Tisch aufzustellen. Wir haben ja nicht mal Sitzpolster dafür. Zum Glück wird es bald kühl und dunkel, die Campinggemeinde zieht sich in die  Vorzelte oder noch tiefer zurück – dem Herbst sei Dank!

Der nächste Morgen bringt es dann jedoch gnadenlos an den Tag. Herr K., der Gute, kümmert sich schon um das Frühstück, während Cocolina bei gefühlten sechs Grad  Lufttemperatur in den Sanitäranlagen unter der Dusche bibbert. Sogar weiche Eier macht er. Doch dann: wie abschrecken??? Das kochend heisse Wasser darf man doch sicher nicht in den so fragil wirkenden Ausguss im Campingbus leeren, oder? Doch Herr K. – als Techniker sieht er immer nur die Lösung, nie das Problem – fischt die beiden 6-Minuten-Eier aus dem Wasser, und lässt sie vorsichtig in zwei mit eiskaltem Mineralwasser gefüllte Plastik-Trinkbecher gleiten. Das sind jetzt auch gleich die Eierbecher, ist doch praktisch oder?

Die Euphorie verpufft jedoch schlagartig, als unsere Nachbarn uns „En Guätä“ wünschen und uns irgendwie hämisch-süffisant mit ihren Eierbechern zuprosten (echten, stilvoll passend zum Rest des geblümten Porzellans). Damit sind wir wieder in unsere Camping-Anfänger-Schranken verwiesen. Und der Tag beginnt mit diesem einzigartigen Gefühl der Unzulänglichkeit, das man nur auf völlig unbekanntem Terrain verspürt…

2 Gedanken zu “Dieses Gefühl der Unzulänglichkeit angesichts des Eierbechers

  1. Ist doch toll, dass Ihr euch nicht als Gewohnheitscamper exponieren musstet!

    Den WoMo-Nutzern sagt man nach, dass sie mobil sein wollen, jedoch recht festgefahren seien was Orte und Abläufe anbelangt. Dies kann euch definitiv nicht nachgesagt werden. Ist doch toll, wenn ihr selber immer wieder staunt was denn da als nächstes kommt. Abgesehen davon – unorganisiert wart ihr definitiv nicht und der Wein war lecker und kalt gestellt. Das freund-e uns noch mehr!

    Wir sind gespannt was das Fazit dieser Ersterfahrung ist – da ist viel Platz zwischen immer und nimmer!

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