Das Krippenspiel

Krippenspiele für drei Kinder sind echt selten. Daher war Oma angehalten, das Weihnachtsgeschichten-Skript passend zu machen. Denn die Drei vom Schwesterherz hatten einen Plan:  zum 24. die Familie unterm Baum mit einem Krippenspiel zu erfreuen.

Es tritt auf Oma, mit der bekannten Einleitung: „Es begab sich zu jener Zeit…“ und hinter ihr tauchen die Zehnjährige und der Achtjährige auf, mit Kopftuch und Älplerhut eindeutig als Maria und Josef zu erkennen. Der Wirt (der Fünfjährige) schickt sie „zu dem Stall da drüben“, der anscheinend direkt neben dem Klavier steht. Kaum dort angekommen ergibt sich ein Problem: Josef hat das Jesuskind verlegt! Eigentlich hatte er den Auftrag, es vor dem Spiel in die Requisitenkiste zu legen, doch irgendwie ist es auf dem weiten Weg nach Bethlehem abhanden gekommen. Maria faucht also Josef an, jemand im Publikum murmelt „postnatale Kindbettdepression“, und der noch nicht schwerhörige Rest der Familie versucht angestrengt, doch leider vergeblich, die Contenance zu wahren.

Der Hirte – zu identifizieren am Älplerhut und lässig über der Schulter drapiertem Schaffell – rettet die Situation. Er hat nicht nur einen Ersatz für das Jesuskind parat, sondern beschenkt es sogar mit einem Lamm, das prompt zum Ersatz-Jesus in die Krippe darf. Ab sofort muss das Publikum halt auf den Anblick vom Jesukindlein verzichten, das bedeutend größere Lämmelein versperrt nämlich die Sicht.

Kurzzeitig muss das Spiel dann noch mal unterbrochen werden, damit aus Maria, Josef und dem Wirt Kaspar, Melchior und Balthasar werden können, die dem Kind (und dem Schaf) ihre Opfergaben darbringen. Die Kronen aus Goldpapier sind von der Oma etwas schief ausgeschnitten worden, und die farbenfrohen Umhänge der Hl. Könige erinnern verdächtig an die drei Pareos, die Cocolina vor einiger Zeit aus der Karibik mitgebracht hat, doch der Gesamteindruck ist wahrhaft königlich. Ganz besonders der Jüngste ringt Bewunderung ab, kann er doch noch gar nicht lesen und muss das Ganze völlig ohne Spickzettel wörtlich über die Bühne bringen.

Fazit: Die Überraschung der Drei für die Familie ist geglückt, die Familie belohnte die jungen Schauspieler auch gebührend mit Standing Ovations. Vielleicht war es nicht das besinnlichste Krippenspiel, das jemals aufgeführt wurde, aber mit viel Kreativität, Einsatz und ungewollter Erheiterung des Pubilkums. Im Eifer wurden nicht einmal der Baum und die unter ihm lagernden Geschenke beachtet – zumindest nicht bis zum Ende des Krippenspiels. Kreativität und Kultur vor Kommerz, sozusagen. Ein hoffnunggebender Gedanke.

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